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Wohnungsumzug in Zeiten von Corona

Wohnungsumzug trotz Corona


Das Thema Wohnen wirft durch die aktuell vorherrschende COVID-19-Situation in Österreich und die damit gesetzten Maßnahmen zahlreiche Hindernisse, Unsicherheiten und Fragen auf. Sowohl seitens der Mieterschaft, als auch der Vermieter steht derzeit über nahezu jeder Handlung und Aktion am Wiener Immobilienmarkt ein großes Fragezeichen. Ist ein Wohnungsumzug angesichts der momentan vorherrschenden Verhältnisse überhaupt noch legal, und wenn ja - inwiefern lässt sich dieser ordnungsgemäß und den gesetzlichen Vorschreibungen entsprechend über die Bühne bringen? Wir haben für Dich diesbezüglich einige wichtigen Fakten und Tipps zusammengetragen:


Derzeit grünes Licht für Übersiedlungsaktionen


Zu Beginn eines gleich vorweg: 

Ein Umzug fällt selbstverständlich auch in Zeiten der Pandemie in den Bereich des Möglichen, insbesondere wenn kein alternativer Termin für die Übersiedelung gefunden werden kann. Solange keine gesetzlichen Maßnahmen festgelegt werden, die einen Umzug zur Gänze ausschließen – diese Regelung würde erst im Falle der Verordnung einer totalen Ausgangssperren in Kraft treten -, ist Möbelpackern und Umzugsunternehmen - sprich Dienstleistungsbetrieben, die im Bereich Güterbeförderung für die logistische Abwicklung von Übersiedlungen verantwortlich sind - die Fortsetzung des bisher ausgeübten Tätigkeitsfeldes weiterhin gestattet. 

Sie fallen in den Bereich Transportleistungen und werden aufgrund der damit verbundenen Rechtslage gesondert behandelt. Somit sind weder Privatpersonen, noch Unternehmen in Zeiten der Krise auf sich alleine gestellt – Umzugshilfe kann auf Wunsch nach wie vor ohne rechtliche Folgen in Anspruch genommen werden, während Stornierungen von bisher geplanten und bevorstehenden Wohnungsumzügen bis auf Weiteres nicht erforderlich sind.


Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen als A und O


Ein zusätzlicher Punkt, der aufgrund der Corona-Pandemie von großer Bedeutung für alle Beteiligten eines Umzugs sein dürfte, ist neben eines detaillierten Umzugs-Preisvergleichs die verantwortungsbewusste Auseinandersetzung mit den aktuell angeordneten Hygienevorschriften und Sicherheitsbestimmungen. Ist die Interaktion mit Möbelpackern angesichts des derzeitigen Kontaktverbotes generell gestattet? Grundsätzlich ja, jedoch sind in Zeiten des nationalen Notstandes auch beim Wohnungsumzug und insbesondere während (De-)Montage und Möbeltransport, besondere Vorsichtsmaßnahmen wie beispielsweise die Einhaltung des geforderten Sicherheitsabstandes einzuhalten. Die gemeinsame Fahrt im Lift würde demnach dezidiert ausscheiden.

Achte bei der Wahl des passenden Umzugspartners folglich nicht nur auf ein angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis, sondern ebenso auf verantwortungsbewussten Umgang mit den aktuellen Schutzmaßnahmen. Darunter fallen neben der Einhaltung des Sicherheitsabstandes von mindestens 1 Meter während der Besichtigung und Abholung, als auch das Tragen von Handschuhen und Mundschutz während der Transportleistung selbst. 

Zwischendurch öfter mal Hände waschen sollte für alle Beteiligten selbstverständlich sein. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, für den empfiehlt es sich, nach Abschluss der Umzugarbeiten die neue Wohnung samt Einrichtung zu desinfizieren. Es würde aber auch genügen, diese Gegenstände eine Weile nicht zu berühren. Das reicht im Normalfall aus, um die Verbreitung der an sich kurzlebigen Viren zu unterbinden.

Im Idealfall klärst Du alle Punkte bereits rechtzeitig vor dem vereinbarten Übersiedlungstermin telefonisch – oder noch besser: schriftlich - mit dem Umzugsunternehmen ab, um mögliche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, bevor sie entstehen können. Ach, und sei bitte nicht beleidigt, wenn Deine fleißigen Möbelpacker derzeit lieber kein Trinkgeld in bar annehmen möchten. ;)


Angepasste Service-Leistungen in Zeiten der Krise


Ein Service, das sich inzwischen mehr als bezahlt macht, ist das Angebot der virtuellen Wohnungsbesichtigung, auf das seit geraumer Zeit nicht nur Makler und Eigentümer, sondern mittlerweile auch einige Umzugsunternehmen zurückgreifen. Die momentanen Einschränkungen sorgen nämlich automatisch dafür, dass der Trend der virtuellen Objektrundgänge nun verstärkt zum Einsatz kommt. Die Vorteile liegen dabei ganz klar auf der Hand: Wohnungsinteressenten erhalten durch dieses realitätsgetreue und gleichzeitig spielerische Tool einen authentischen Eindruck der jeweiligen Räumlichkeit. Umzugsunternehmen können sich auf diesem Weg bereits im Vorfeld und ohne persönlichen Besuch ein realistisches Bild vom Zielort machen. Gemeinsam mit dem Auftraggeber kann vorab ein klares Logistikkonzept erstellt werden, so dass der Kunde nach dem Umzug seine Möbel und Kartons genau dort wiederfindet, wo er sie haben möchte.

Noch einfacher ist es aber, wenn der Vermieter oder Makler eine "Echtzeit-Videobesichtigung" durchführt.  Dank Videoanruf lassen sich etwaige Unklarheiten schnell und kontaktlos aus dem Weg schaffen. Dazu benötigst Du  lediglich Skype, Jitsi, Zoom oder eine andere Applikation auf Deinem Smartphone. Die Kamera kann während des Gesprächs in Wohnungsrichtung gedreht werden, wenn man selbst nicht gesehen werden möchte.

Mit so einem kleinen Spaziergang durch die Räumlichkeiten der alten oder neuen Wohnung, sinddie Umzugsmitarbeiter gut informiert und können ihren Job bestmöglich erledigen. Und – was auch besonders wichtig ist: Im Gegensatz zu rein virtuellen Touren kann der Vermieter oder Makler bei einer „Skype-Besichtigung" zeitgleich auch Fragen beantworten!

Und noch ein kleiner Tipp, der Dir die Übersiedlung erleichtert: Wer seine persönlich Umzugskartons im Vorfeld aussagekräftig beschriftet, hat beim Beziehen des neuen Objekts weniger Grund, den Möbelpackern in die Quere zu kommen, denn die können anhand des konkreten Plans selbstständig, zügig und gewissenhaft vorgehen.

Mietzahlungen während Corona: Aufgeschoben ist nicht gleich aufgehoben


Und wie sieht es bezüglich Miete nach dem erfolgreichen Umzug aus? 

Aufgrund der aktuell vorherrschenden Pandemie kann im Falle eines finanziellen Engpasses, der durch schlagartig veränderte berufliche Situationen o.Ä. unvorhergesehene Ereignisse hervorgerufen wurde, u.a. auch in Wien eine Mietreduktion erwirkt werden. Hierfür sind seitens des österreichischen Nationalrates entsprechende Maßnahmen zum Schutz von Mietern festgelegt worden, genau nachzulesen im Bundesgesetzblatt Nr. 24, Artikel 37. 

Aber Achtung! Dass die Fälligkeit der Monatsmieten April, Mai und Juni ausnahmsweise auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden kann, bedeutet keinesfalls, dass die Möglichkeit einer Klage sich im Anschluss in Luft auflöst. Wer zahlungsfähig geblieben ist, sollte seinen Verpflichtungen als Mieter folglich lieber pünktlich wie sonst auch nachkommen, um zu einem späteren Zeitpunkt nicht mit den finanziellen Konsequenzen in Form eines haushoch getürmten Schuldenberges konfrontiert zu werden. Spätestens zum Jahresausklang wäre eine Begleichung des offenen Mietrückstandes erstrebenswert, denn ab Jänner 2021 kann dieser eingeklagt werden. 

Was etwaige Kündigungen oder Delogierungen betrifft, so ist der Sachverhalt einstweilen noch etwas verworren, da Gerichte derzeit nur unter eingeschränktem Betrieb arbeiten. Diesbezüglich ist es am besten, sich selbst über die neuesten Entwicklungen am Laufenden zu halten und am aktuellen Stand der Dinge zu bleiben. Jede Menge Wissenswertes rund um Corona und Wohnungsumzug, Mietrückstände, Schutzbestimmungen usw. für Privatpersonen und Unternehmen findet sich auf den Websites von WKO, AK, Mietervereinigung und selbstverständlich auf der Seite des Bundeskanzleramts der Republik Österreich, wo auch alle aktuellen Updates zur aktuellen Gesetzeslage nachzulesen sind.

Die Corona Krise stellt nicht nur unser bisher gewohntes Leben und unsere Gesellschaft weltweit, sondern auch den österreichischen Immobilienmarkt auf eine große Härteprobe. So viel steht fest. Für Wohnungssuchende ist es angesichts der notwendigen sozialen Distanz im Moment definitiv kein Leichtes, ein neues Wohnobjekt zu erwerben. Und Eigentümer haben in Krisenzeiten wie diesen mindestens ebenso große Probleme, ihre Immobilien rasch zu vermieten. 

Auch die Arbeit der Makler gestaltet sich schwierig und umständlich. Mit digitaler Technik und innovativen Strategien lassen sich zwar einige Hürden nehmen, was aber trotzdem fehlt, ist der „unkostümierte" persönliche Kontakt. Gerade in Vertrauensfragen wie Vertragsabschlüssen möchte man seinen Geschäftspartner mustern und in seiner Mimik lesen können. Die Schutzmasken verhindern das weitestgehend. Gerne würde man genauer hinsehen können, mit wem man es zu tun hat und zweifelt vermutlich schneller an der Glaubwürdigkeit des Gegenübers, auch wenn das in Wahrheit unbegründet ist.

Trotz der ungewohnten Einschränkungen an allen Seiten ist die österreichische Regierung darum bemüht, alternative Möglichkeiten zur Vernetzung einzuräumen. Je nachdem wie sich der Corona-Ausnahmezustand in Österreich weiter entwickelt, wird sich auch der Immobilienmarkt mitverändern müssen.

Hoffen wir das Beste!
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Dienstag, 27. Oktober 2020

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